Von: Johanna

Ambulante Pflege: Gut versorgt in den eigenen vier Wänden

  1. Leistungskatalog der ambulanten Pflege
  2. Kosten für die ambulante Pflege
  3. Tipps für die Suche nach dem passenden Pflegedienst
  4. Nützliche Services zur Ergänzung der ambulanten Pflege

 

Möchten pflegebedürftige Menschen weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung leben, besteht die Möglichkeit, zur pflegerischen, medizinischen und hauswirtschaftlichen Versorgung im häuslichen Umfeld professionelle Hilfe durch ambulante Pflegedienste in Anspruch zu nehmen.

In unserem Ratgeber erfahren Sie,

  • welche Leistungen die ambulante Pflege umfasst,
  • mit welchen Kosten für verschiedene Pflegeleistungen zu rechnen ist und welche Personen Anspruch auf Pflegesachleistungen haben,
  • worauf Sie bei der Auswahl des Pflegedienstes achten müssen und
  • welche Dienstleister eine hilfreiche Ergänzung zur häuslichen Pflege bieten können.


Die ambulante Versorgung durch einen Pflegedienst erfolgt grundsätzlich durch qualifiziertes Personal und bringt nennenswerte Vorteile für pflegebedürftige Personen und deren Angehörige mit sich.

Helfer im Alltag: Der Leistungskatalog der ambulanten Pflege

Das Leistungsspektrum der privaten und öffentlichen Anbieter kann leicht variieren, im Allgemeinen umfasst das Angebot von Sozialdiensten – wie ambulante Pflegedienste in der Praxis auch genannt werden – folgende Tätigkeitsbereiche:

  • Grundpflege: z.B. Körperpflege, Hilfe bei der Entleerung von Magen und Darm, Hilfe beim An- und Entkleiden, Gehen und Treppensteigen, bei der Nahrungsaufnahme sowie bestimmte Prophylaxemaßnahmen (z.B. Dekubitusprophylaxe).
  • Häusliche Krankenpflege (gemäß § 37 SGB V): Verbandswechsel, Verabreichung von Medikamenten und Injektionen.
  • Unterstützung im Haushalt: Das Handlungsspektrum einer Haushaltshilfe vomambulanten Pflegedienst hängt vom jeweiligen Bedarf ab. Zu den Tätigkeiten zählen z.B. Einkaufen, die Zubereitung von Speisen und die Wohnungsreinigung.
  • Pflegerische Betreuung: Hilfestellung bei der Orientierung und Gestaltung des alltäglichen Lebens, z.B. Unterstützung beim Briefeschreiben, bei Freizeitaktivitäten und dem Aufrechterhalten sozialer Kontakte.
  • Beratung von Pflegebedürftigen und Angehörigen bei pflegerischen Fragen und Unterstützung bei der Organisation von Hilfsmaßnahmen wie z.B. Fahrdiensten und Essenslieferung.


Ein ambulanter Pflegedienst übernimmt wichtige Aufgaben, die pflegebedürftige Menschen nicht mehr selbstständig bewältigen können. Das ermöglicht nicht nur eine individuelle und bedarfsgerechte Versorgung in den eigenen vier Wänden, sondern stellt auch eine wertvolle Unterstützung und Ergänzung der häuslichen Pflege durch Angehörige dar.

Weitere Vorteile der ambulanten Pflege:

  • Pflegebedürftige Personen können ein weitgehend selbstbestimmtes Leben in der vertrauten Umgebung führen. Das wirkt sich in der Regel positiv auf den gesundheitlichen Zustand und das Wohlbefinden aus.
  • Pflegende Angehörige werden entlastet – nicht nur zeitlich, sondern auch körperlich und psychisch.
  • Aufgrund der professionellen Versorgung durch geschulte Pflegekräfte werden Pflegefehler vermieden. Zudem ist es Patienten oft angenehmer, in intimen Situationen wie Toilettengang oder Windelwechsel nicht auf Familienmitglieder angewiesen zu sein.
  • In Notfällen ist eine schnelle Unterstützung gewährleistet.
  • Die Kosten für die ambulante Pflege sind im Vergleich zur stationären Unterbringung deutlich geringer. Zudem erhält der Patient bei der sogenannten Kombinationsleistung – also wenn sich Angehörige und Pflegedienst die häusliche Pflege teilen – einen höheren Zuschuss der Pflegekasse.

Preise, Finanzierung & Co.: So viel kostet die ambulante Pflege

Mit welchen Kosten für die ambulante Pflege zu rechnen ist, lässt sich nicht pauschal beziffern. Einen wesentlichen Einfluss auf den Preis haben die Leistungen und der Turnus, in dem häusliche Pflegedienstleistungen erbracht werden. Darüber hinaus variieren die Leistungskataloge je nach Bundesland, zudem können sich die Preise je nach Anbieter unterscheiden.

Die Kosten für den ambulanten Pflegedienst werden unter bestimmten Voraussetzungen von der Pflegekasse übernommen. Gehen sie über eine bestimmte Höchstgrenze hinaus, entsteht ein Eigenanteil für den Patienten.

Die Kosten richten sich nach Art und Umfang der Pflege

Der häusliche Pflegedienst berechnet seine Leistungen nach sogenannten Leistungskomplexen, die bestimmte pflegetypische Tätigkeiten zusammenfassen. Je nach Bundesland sind 17 bis 30 solcher Leistungskomplexe definiert. Welche Leistungskomplexe in welcher Häufigkeit benötigt werden, hängt vom individuellen Gesundheitszustand des Patienten ab und davon, welche Aufgaben von Angehörigen übernommen werden können. Die zu erbringenden Leistungskomplexe des Sozialdienstes werden in einem Pflegevertrag festgelegt.

Die folgende Tabelle zeigt Rechenbeispiele für eine Auswahl von Leistungskomplexen. Die angegebenen Monatsbeträge sind als ungefähre Richtwerte zu verstehen, die tatsächlichen Kosten können je nach Bundesland und ambulantem Pflegedienst variieren.

Leistungskomplex Häufigkeit pro Woche mtl. Kosten
Kleine Grundpflege (Teilwaschung inkl. Mund- und Zahnpflege, Haar-, Haut- und Nagelpflege, Rasur sowie Unterstützung im Bereich Ausscheidungen) fünfmal pro Woche ca. 189 €
Große Grundpflege (Ganzkörperwäsche, Ausscheidungen) zweimal pro Woche ca. 156 €
Hilfe bei Nahrungsaufnahme einmal täglich ca. 304 €
Lagern/Betten (Bett richten, Bettwäsche wechseln, körper-/situationsgerechte Lagerung, Vermittlung Lagerungstechniken, Einsatz von Lagerungshilfen) dreimal täglich ca. 401 €
Reinigen der Wohnung einmal pro Woche ca. 94 €

 

Sind in einem Haushalt (z.B. einer Pflege-WG) oder in einem Wohnhaus mehrere Personen zu pflegen, ist ein sogenanntes Poolen von Leistungen möglich. Dadurch lassen sich Zeit und Kosten einsparen, die für weitere Versorgungs- und Betreuungsleistungen genutzt werden können.

Pflegesachleistungen: Wie hoch ist der Zuschuss für ambulante Pflege?

In welcher Höhe die Pflegekasse die Kosten für die Leistungen des ambulanten Pflegedienstes – man spricht hier von Pflegesachleistungen – übernimmt, hängt vom Pflegegrad des Patienten ab. Die monatlichen Höchstgrenzen je nach Pflegegrad haben wir in unserem Beitrag „Pflegegrade“ zusammengestellt.

Grundsätzlich haben nur Patienten mit Pflegegrad 2 bis 5 Anspruch auf bestimmte Pflegesachleistungen. Patienten mit Pflegegrad 1 können den monatlichen Entlastungsbetrag von 125 Euro für Leistungen der häuslichen Pflegedienste nutzen.

Der ambulante Pflegedienst rechnet seine Leistungen bis zur Höchstgrenze des jeweiligen Pflegegrades direkt mit der zuständigen Pflegekasse ab, der Patient muss hier also nicht in Vorlage gehen. Diejenigen Leistungen, die den monatlichen Höchstsatz übersteigen, sind aus eigener Tasche zu bezahlen.

Weitere Informationen über Pflegesachleistungen für die häusliche Pflege finden Sie in unserem Ratgeber “Pflegesachleistungen“.

Tipps für die richtige Wahl: So finden Sie den passenden Pflegedienst

Wer aus gesundheitlichen Gründen auf Unterstützung angewiesen ist, braucht eine gute, sichere und würdevolle Pflege.

Im ersten Schritt sollte man sich darüber klar werden, welche Leistungen benötigt werden: Hilfe bei der Körperpflege, bei der Nahrungsaufnahme, im Haushalt oder für Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände? Wie oft wird die Unterstützung des ambulanten Pflegedienstes benötigt? Welche persönlichen Erwartungen hat der Patient an das Pflegepersonal?

Steht der individuelle Betreuungs- und Versorgungsbedarf fest, kann man sich im zweiten Schritt auf die konkrete Suche nach einem geeigneten Pflegedienst begeben:

  • Auskunft über Pflegedienste am Wohnort oder der näheren Umgebung erhalten Sie von Ihrer Pflegekasse oder dem Pflegestützpunkt.
  • Prüfen Sie, welche der Pflegedienste vor Ort die erforderlichen Leistungen erbringen. Das ist vor allem dann ein zentraler Aspekt, wenn spezielle Anforderungen (z.B. bei bestimmten Erkrankungen) bestehen.
  • Informationen über die Qualifikation des Pflegedienstes erhält man in dessen Transparenzbericht. Dort sind auch die Ergebnisse von Qualitätsprüfungen zu finden. Die Pflegequalität wird entsprechend verbindlicher Richtlinien vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung und dem Verband der Privaten Krankenversicherungen überprüft.
  • Erkundigen Sie sich beim Pflegestützpunkt und im eigenen Umfeld nach Erfahrungen mit potenziellen Anbietern. Zusätzlich können Bewertungen im Internet herangezogen werden.
  • Nehmen Sie sich ausreichend Zeit und vergleichen Sie mehrere Pflegedienste in einem persönlichen Termin.
  • Ungeachtet dessen, ob der ambulante Pflegedienst eine Preisliste veröffentlicht hat, sollte man sich einen Kostenvoranschlag erstellen lassen, der alle erforderlichen Leistungen umfasst. Anhand des konkreten Angebots kann man ermitteln, ob und in welcher Höhe ein Eigenanteil fällig wird.


Neben fachlichen und organisatorischen Kriterien ist es zudem wichtig, dass auch der zwischenmenschliche Kontakt zwischen Patient und Pflegepersonal stimmt. Hilfreich ist, wenn die pflegerischen Tätigkeiten möglichst von festen Bezugspersonen erbracht werden.

Nützliche Services zur Ergänzung der ambulanten Pflege

Neben den Leistungen von ambulanten Pflegediensten gibt es noch weitere Dienstleistungen, die das Leben von pflegebedürftigen Menschen und pflegender Angehöriger erleichtern können. Dazu gehören unter anderem die Lieferung verzehrfertiger Mahlzeiten oder die Nutzung eines Hausnotrufs.

Mahlzeitendienst: Täglich frisch zubereitetes und erwärmtes Essen

Pflegebedürftige Menschen sind oftmals nicht mehr in der Lage, sich selbst zu verpflegen. Dabei ist die regelmäßige Nahrungsaufnahme und die Versorgung mit Nährstoffen essentiell, damit der Patient bei Kräften bleibt. Stellen Einkauf und Kochen für pflegende Angehörige einen zu großen Aufwand dar oder ist die Beauftragung eines Pflegedienstes für die Zubereitung der Mahlzeiten zu kostspielig, kann das sogenannte „Essen auf Rädern“ eine gute Lösung sein.

Viele soziale Einrichtungen und private Unternehmen bieten nicht nur in Städten, sondern auch im ländlichen Raum einen regelmäßigen Bringdienst an, der ältere und pflegebedürftige Menschen entweder mit frisch zubereiteten warmen Speisen versorgt oder mit tiefgekühlten Mahlzeiten, die einfach in der Mikrowelle erwärmt werden können. Die meisten Mahlzeitendienste bieten verschiedene Menü-Optionen, die spezielle Vorlieben (z.B. vegetarische Kost) und besondere Anforderungen, z.B. von Diabetikern, berücksichtigen.

Zusätzliche Sicherheit durch den Hausnotruf

Ganz gleich, wie gut die häusliche Pflege organisiert ist – es gibt immer Situationen, in denen pflegebedürftige Personen für einen gewissen Zeitraum alleine sind. Mit einem Hausnotruf sind Patienten in der Lage, bei einem Notfall ganz einfach einen Alarm auszulösen und rund um die Uhr Hilfe anzufordern. Bei Pflegebedürftigkeit wird ein Großteil der monatlichen Kosten von der Pflegekasse übernommen.

Ausführliche Informationen über die unkomplizierte Funktionsweise des Hausnotruf-Systems, die verschiedenen Anbieter, Tarife und sinnvolle Zusatzleistungen erhalten Sie in unserem Beitrag „Notrufknopf“.

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