Von: Johanna

Pflegegrad 4: Voraussetzungen & Leistungen

Inhaltsverzeichnis

  1. Was bedeutet Pflegegrad 4
  2. Voraussetzungen
  3. Leistungskatalog

 

Die Pflegebedürftigkeit wird in Deutschland in fünf Pflegegrade unterteilt. Die Einordnung bemisst sich danach, wie stark die Selbstständigkeit eines Menschen beeinträchtigt ist. Entsprechende Leistungen der Pflegekasse zielen darauf ab, die selbstständige Lebensführung zu fördern oder zumindest zu erhalten.

Fallen aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen selbst einfache alltägliche Tätigkeiten schwer und wird dauerhaft intensive Unterstützung benötigt, kann Pflegegrad 4 gegeben sein. Unser Beitrag gibt Ihnen einen Überblick,

  • was Pflegegrad 4 konkret bedeutet,
  • unter welchen Voraussetzungen Pflegegrad 4 anerkannt wird und
  • auf welche Geld- und Sachleistungen bei Pflegegrad 4 ein Anspruch besteht.

 

An Pflegegrad 4 ist ein umfangreiches Leistungspaket geknüpft. Welche Leistungen die Pflegekasse im Einzelfall gewährt, hängt vor allem davon ab, ob die Pflege ambulant oder stationär erfolgt.

Definition: Was bedeutet Pflegegrad 4?

Pflegegrad 4 ist der zweithöchste Pflegegrad. Er bezeichnet gemäß § 15 des elften Sozialgesetzbuchs (SGB XI) „schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten“.

Mit der Einteilung in Pflegegrade wurden 2017 beim Inkrafttreten des 2. Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) die ehemaligen Pflegestufen ersetzt. Pflegegrad 4 entspricht der früheren Pflegestufe 2 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz) bzw. Pflegestufe 3.

Diese Voraussetzungen müssen für Pflegegrad 4 erfüllt sein

Ein Pflegegrad besteht nicht automatisch aufgrund bestimmter gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Wichtigste Voraussetzung ist daher, zunächst einen formlosen Antrag auf Pflegebedürftigkeit an die Pflegekasse zu stellen.

Daraufhin bewertet ein Gutachter des medizinisches Dienstes (MD) die Fähigkeiten in insgesamt sechs Modulen – unter anderem handelt es sich dabei um die Bereiche Mobilität, kognitive Fähigkeiten und Selbstversorgung – und vergibt nach einem festgelegten System je nach vorliegenden Einschränkungen Punkte. Für die Anerkennung von Pflegegrad 4 sind 70 bis unter 90 Punkte von insgesamt 100 Punkten erforderlich.

Detaillierte Informationen zur Antragstellung, dem Ablauf des Gutachtens sowie zu den verschiedenen Modulen und deren Gewichtung haben wir in unserem großen Pflegegrad-Ratgeber für Sie zusammengestellt.

Der Leistungskatalog bei Pflegegrad 4: Alles Wichtige für Sie auf einen Blick

Bei Pflegegrad 4 ist ein hoher Pflegeaufwand notwendig. Entsprechend sind bestimmte Leistungen der Pflegeversicherung, die direkt die tägliche Versorgung betreffen, höher als bei niedrigeren Pflegegraden. Zusätzlich kann ein Anspruch auf Leistungen bestehen, die für alle Pflegegrade gelten.

Folgende Leistungen stehen Ihnen speziell bei Pflegegrad 4 – abhängig davon, ob Sie zuhause oder in einer stationären Einrichtung gepflegt werden – zu:

  • Vollstationäre Pflege: 1.775 Euro monatlich
  • Pflegegeld: 728 Euro monatlich
  • Pflegesachleistungen: 1.693 Euro monatlich
  • Tages- und Nachtpflege: 1.612 Euro monatlich
  • Kurzzeitpflege: 1.774 Euro jährlich (für Pflegegrade 2 bis 5 identisch)
  • Verhinderungspflege: 1.612 Euro jährlich (für Pflegegrade 2 bis 5 identisch)

 

Handelt es sich um häusliche Pflege, haben Sie zusätzlich Anspruch auf diese Leistungen für alle Pflegegrade:

  • Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich
  • Zuschuss für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch von bis zu 40 Euro monatlich
  • Zuschuss zum Hausnotruf von 25,50 Euro monatlich
  • Zuschuss für Wohnraumanpassungen, einmalig bis zu 4.000 Euro
  • Wohngruppenzuschuss von 214 Euro monatlich, falls Sie in einer Pflege-WG leben

 

Mehr über die einzelnen Leistungen, die bei ambulanter Pflege allen Pflegegraden zustehen, erfahren Sie in unserem Pflegegrad-Ratgeber.

Zuschüsse und Eigenanteil für die vollstationäre Pflege bei Pflegegrad 4

Grundsätzlich haben Pflegebedürftige bzw. deren Angehörige die Wahl, ob sie zuhause oder in einer stationären Einrichtung versorgt werden möchten. Entscheidet man sich für vollstationäre Pflege, gewährt die Pflegekasse bei Pflegegrad 4 einen monatlichen Betrag von maximal 1.775 Euro. In diesem Fall besteht kein Anspruch auf weitere Leistungen.

Der genannte Betrag steht ausschließlich für Pflegeleistungen zur Verfügung. In der Regel reicht er nicht aus, um den erforderlichen Aufwand für Grund- und Behandlungspflege zu decken. Der verbleibende Eigenanteil ist für jeden Bewohner des Pflegeheims – unabhängig vom Pflegegrad – gleich. Man spricht deshalb auch vom einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE).

Um die finanzielle Belastung vor allem für langjährige Bewohner abzumildern, wird seit 2022 ein Leistungszuschlag für den Eigenanteil gewährt, der sich an der Dauer des Pflegeheimaufenthalts bemisst. Er beträgt

  • 5 Prozent bei bis zu 12 Monaten
  • 25 Prozent bei mehr als 12 Monaten
  • 50 Prozent bei mehr als 24 Monaten
  • und 70 Prozent bei einem Aufenthalt von mehr als 36 Monaten.

 

Unabhängig davon müssen Unterbringung und Verpflegung sowie ggfs. auch ein Betrag für Investitionskosten der Pflegeeinrichtung selbst bezahlt werden.

Diese monatlichen Leistungen stehen Ihnen bei ambulanter Pflege zu

Bei häuslicher Pflege sieht der Gesetzgeber zwei Modelle vor: Die Pflege durch Angehörige oder einen ambulanten Pflegedienst. Auf die Leistungen wirkt sich das bei Pflegegrad 4 wie folgt aus:

  • Bei häuslicher Pflege durch Angehörige wird monatlich ein Pflegegeld in Höhe von 728 Euro bewilligt. Es steht ihm frei, ob er das Geld als Aufwandsentschädigung an den Angehörigen weiterreicht oder für sonstige Dienstleistungen verwendet.
  • Wird die Pflege stattdessen von Pflegefachkräften übernommen, gewährt die Pflegekasse die sogenannten Pflegesachleistungen von bis zu 1.693 Euro monatlich. Der Pflegedienst rechnet in diesem Fall direkt mit der Kasse ab, so dass der Pflegebedürftige nicht in Vorkasse gehen muss.
  • Werden die Pflegesachleistungen nicht voll ausgeschöpft, kann Kombinationspflege beantragt werden. Der nicht genutzte Anteil der Sachleistungen wird dann prozentual als Pflegegeld gewährt. Ein Beispiel: Vom Pflegedienst werden nur Sachleistungen von 1.015,80 Euro monatlich, also 60 Prozent, benötigt. Die restlichen 40 Prozent können als Pflegegeld ausgezahlt werden. Bei Pflegegrad 4 entspricht das 291,20 Euro pro Monat.
  • Um pflegende Angehörige zu entlasten, kann zudem die Tages- und Nachtpflege mit bis zu 1.612 Euro monatlich in Anspruch genommen werden. Die Pflege erfolgt dabei weiterhin hauptsächlich zuhause, je nach Bedarf wird die pflegebedürftige Person an einigen Tagen oder Nächten in einer Pflegeeinrichtung versorgt und betreut. Dieser Zuschuss für die teilstationäre Pflege kann allerdings nur für die pflegerische Versorgung und den Fahrdienst verwendet werden. Verpflegung, Unterkunft und Betreuung sind selbst zu finanzieren. Auf die Höhe des Pflegegeldes hat die Inanspruchnahme der Tages- und Nachtpflege keinen Einfluss.

Jährliche Leistungen bei Pflegegrad 4

Für bestimmte Leistungen der Pflegekasse besteht ein jährlicher Höchstbetrag:

  • Verhinderungspflege kann genutzt werden, wenn der pflegende Angehörige im Urlaub ist oder wegen Erkrankung ausfällt. Bei Pflegegrad 4 besteht ein Anspruch auf bis zu 1.612 Euro für maximal vier Wochen pro Jahr, wenn die Pflege durch einen professionellen Pflegedienst erfolgt. Übernimmt stattdessen ein anderer Angehöriger die Pflege, darf der 1,5-fache Satz des Pflegegeldes nicht überschritten werden.
  • Wird bei Pflegegrad 4 Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung (z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt) benötigt, wird ein Zuschuss in Höhe von maximal 1.774 Euro für bis zu 4 Wochen im Jahr gewährt.

 

Die Inanspruchnahme von Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege hat Auswirkungen auf das Pflegegeld: Während der entsprechenden Zeiträume wird die Geldleistung um die Hälfte reduziert.

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Die Datenschutzbestimmungen habe ich zur Kenntnis genommen